GESCHLECHTER BILDEN

Idee und Anliegen


"Wir orientieren uns in unserem Engagement an den Lebenswelten und den Bedürfnissen von Frauen und Männern...", so heißt es im Leitbild der Katholischen Erwachsenbildung Rheinland-Pfalz. Weiter wird ausgeführt:"...Unser Engagement hat vor dem Hintergrund des christlichen Glaubens und christlichen Menschenbildes zum Ziel, einen Beitrag zu einem personal verantworteten Glaubens-, Lebens- und Gesellschaftsverständnis eines mündigen Menschen zu leisten. Ziel ist ganzheitliche, integrierte und werteorientierte Bildung. Unser Interesse geht über das bloße Funktionieren des Menschen hinaus und führt zu einer neuen Qualität der Gestaltung des persönlichen, beruflichen und gesellschaftlichen Lebens..."

Diese Eckpunkte beschränken sich nicht auf abstrakte Formulierungen in einem Leitbild, sondern prägen unsere alltägliche Praxis auf allen Ebenen. Bei vielen gibt es bereits ein sehr waches Bewusstsein dafür, dass Erwachsenenbildung bestehende Geschlechterverhältnisse zu hinterfragen, aufzubrechen, aber auch zu zementieren und so möglicherweise zur Fortsetzung bestehender Ungleichheit beizutragen vermag. Trotz dieses Bewusstseins fehlt es oft an konkreten Vorstellungen, welche Möglichkeiten zur Realisierung von mehr Geschlechtergerechtigkeit in unserer pädagogischen Arbeit, bei der Gestaltung von Rahmenbedingungen oder bei der Veränderung unserer Strukturen denkbar sind. Hier setzt die vorliegende Arbeitshilfe an.

Sie schlägt konkrete Maßnahmen vor mit dem Ziel, Geschlechtergerechtigkeit herzustellen. Die Zugehörigkeit zur Kategorie "männlich" oder "weiblich" beeinflusst unser Denken, Erleben und Handeln, ist folglich nicht nur biologisch bedingt, sondern das Ergebnis gesellschaftlicher Prozesse, d.h. nicht unabhängig von Zuschreibungen, Werten und Orientierungen.

So greift diese Arbeitshilfe auf die lange Tradition geschlechterbezogenen Arbeitens in der katholischen Erwachsenenbildung zurück und fordert zugleich dazu auf, aktiv zu einer umfassenderen Herstellung von Geschlechtergerechtigkeit beizutragen, indem ungleiche und benachteiligende Verhältnisse der Geschlechter wahrgenommen und verändert werden. Dies setzt Kompetenzen voraus und bedeutet einen Lernprozess für alle. Aus diesem Grund hat sich die Mitgliederversammlung der KEB Rheinland-Pfalz dafür ausgesprochen, eine Arbeitgruppe mit der Erarbeitung einer entsprechenden Arbeitshilfe zu beauftragen. Denn: Visionen eines gerechten Miteinanders der Geschlechter können nur dann entfaltet werden, wenn sich Männer und Frauen für einen Lernprozess öffnen und neue Wege zum Handeln sehen.

Bildungsprozesse setzen bei den Erfahrungen und "geschlechtergerechten Visionen" von Männer und Frauen an. Darin liegt ein großes Potential

Diese Publikation, Ergebnis eines Arbeitsprozesses, ist für die Praxis gedacht und gibt dazu konkrete Anregungen. Sie enthält praxisnahe Handlungsideen, Vorschläge, Checklisten und Kursbausteine für Haupt- und Ehrenamtliche in der Erwachsenenbildung. Jedes Kapitel dieser Arbeitshilfe ist als eigenständiger Text gestaltet, der für sich allein gelesen werden kann, ohne dass es erforderlich ist, die Arbeitshilfe komplett durchzuarbeiten. Zwar führt dies an der einen oder anderen Stelle zu inhaltlichen Wiederholungen, bietet aber zugleich der Leserin/dem Leser die Möglichkeit, sich auf diejenigen Textstellen zu konzentrieren, die von besonderem Interesse oder von Bedeutung für das eigene Arbeitsfeld sind.

Wir wünschen, dass diese Arbeitshilfe viele ermutigt, das Ziel Geschlechtergerechtigkeit mit Leben zu füllen.

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